ORTSVEREIN STEINHEIM AN DER MURR

Bericht vom Oktober-Treffen

AG 60plus

Beim Oktober-Treffen der Steinheimer SPD- Seniorinnen und –Senioren war die erneute Diskussion um die Atomkraft erstes Thema.

Beim Oktober-Treffen der Steinheimer SPD- Seniorinnen und –Senioren war die erneute Diskussion um die Atomkraft erstes Thema. Energiekonzerne und Union planen den Wiedereinstieg in die Nutzung der Atomkraft. Dazu stellen sie Atomenergie als billig, sicher und umweltfreundlich dar.

Doch die Fakten sehen anders aus: Strom aus modernen AKW pro Kilowattstunde ist doppelt so teuer wie bei einem Kohle- oder Gaskraftwerk. Die Kosten der Atommeiler werden durch jahrelan-ge Abschreibungen und Steuersubventionen verschleiert. Auch werden die Kosten für Transport und Lagerung der Atomabfälle sowie für ausreichende Versicherungen von den Konzernen nicht vollständig mitberechnet.
Längere Laufzeiten brächten den Kunden bestenfalls ein paar Cent. Das Öko-Institut errechnet ei-ne Entlastung von monatlich 12 Cent bei den Stromkosten für einen Durchschnittshaushalt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kommt auf eine Entlastung von monatlich 50 Cent; we-niger, als der Austausch einer 60-Watt-Glühlampe durch eine Energiesparlampe spart. Selbst die-se Mini-Entlastung würde wohl nicht kommen, da die vier großen Energieunternehmen den Strommarkt zu 80 Prozent beherrschen und durch ihr Quasi-Monopol die Preise diktieren.
Atomkraftwerke sind keineswegs CO2-neutral. Atomkraft verursacht zwar weniger CO2 als Kohle-kraftwerke, aber mehr als Gaskraftwerke oder Sonnen- und Windanlagen. Während die Emissio-nen von AKW je nach Herkunft des Urans bei bis zu 126 Gramm CO2 pro Kilowattstunde liegen können, betragen sie bei modernen Gaskraftwerken 119 Gramm, bei Windkraft nur 23 Gramm.
Allein der Uranabbau als Voraussetzung zur AKW-Betreibung schafft schwerste Umwelt- und Gesundheitsprobleme. Beim Uranabbau kommt es zur Grundwasserbelastung und zur Staubkontami-nation weiter Gebiete durch Uran und Schwermetalle. So starben als Folge des bis 1990 in der DDR betriebenen Uranabbaus bis heute über 3000 Uran-Bergarbeiter an Lungenkrebs. Die Sanie-rung des Abbaugebiets kostet über sechs Milliarden Euro.
Die weltweiten Uranvorräte sind begrenzt, genauso wie Öl oder Gas. Uran, der Stoff aus dem Atombomben gemacht werden, ist zum AKW-Betrieb zwingend nötig. Experten schätzen, dass die Vorräte bis etwa 2050 reichen werden, also kaum länger als Erdöl. Seit 2000 hat sich der Uran-preis bereits verzwanzigfacht. Von einer zukunftssicheren Energie kann also keine Rede sein.
Der Anteil der Atomkraft an der Strom-Versorgung kann schrittweise durch Erneuerbare Energien, Energieeinsparung und für eine Übergangszeit durch schadstoffarme Kohlekraftwerke ausgegli-chen werden. Es entsteht also keine Stromlücke. Denn die 17 deutschen AKW werden nicht auf einen Schlag abgeschaltet, sondern Meiler für Meiler. Erst im Jahr 2021 geht voraussichtlich das letzte Kernkraftwerk vom Netz. Damit gibt es genügend Zeit, um Stromlücken zu verhindern
Auf der ganzen Welt gibt es kein Endlager für hochradioaktiven Müll. Das Atommüllproblem bleibt also ungelöst. Trotz weltweit mehr als 300 000 Tonnen Atommülls, der Jahr für Jahr um über 10 000 weitere Tonnen wächst. In Deutschland illustrieren die Skandale um die Endlager das ungelös-te Atommüllproblem.
Erneuerbare Energien schufen in den letzten Jahren 130 000 neue Arbeitsplätze. In der gesamten Atomwirtschaft gibt es 38 000 Jobs. Schon heute arbeiten im Bereich Erneuerbare Energien 250 000 Menschen. Bis 2020 werden hier noch einmal 500 000 neue Jobs hinzukommen. Der Atom-ausstieg wurde nicht aus einer Laune heraus beschlossen, sondern weil mit dem Betrieb von Atomkraftwerken enorme Risiken verbunden sind. In der Diskussion wurde dem allgemein zuge-stimmt.
Anschließend wurden noch weitere Themen angesprochen: Die Erhöhung des Krankenversiche-rungsbeitrags durch die AOK Baden-Württemberg, die Finanzkrise, die Versäumnisse deutscher Hersteller beim Bau von Pkw mit niedrigem Verbrauch, Lebensmittelskandale und die anstehende Bürgermeisterwahl.
Horst Löbner