ORTSVEREIN STEINHEIM AN DER MURR

Protestaktion an der Autobahn

Presseecho

Der Ortsvorsteher Roland Heck hat an der A 81 gegen die Rodungs-Aktion an der Böschung protestiert. Foto: Sandra Brock

Aus der Marbacher Zeitung vom 28. August 2010:

Steinheim-Höpfigheim Der Ortsvorsteher Roland Heck demonstriert gegen die Rodung der Böschung. Von Sandra Brock

Protestaktionen gibt es derzeit nicht nur am Stuttgarter Hauptbahnhof. Auch in Höpfigheim ist gestern demonstriert worden. Allerdings in etwas kleinerem Stil als in der Landeshauptstadt. Konkret ist nur der Ortsvorsteher Roland Heck auf die Barrikaden gegangen. Besser gesagt: Auf die Autobahn. Neben dem Standstreifen und hinter der Leitplanke zwar und nur kurz. Aber einige Auto- und Lastwagenfahrer dürften seinen Appell auf dem 120 mal 90 Zentimeter großen Schild durchaus zur Kenntnis genommen haben: "Ihnen gute Fahrt; Uns Lärm und Schmutz; Dank Regierungspräsidium".
Letzteres hatte im vergangenen Herbst - ohne es vorher anzukündigen - viel Grün entlang der Autobahn 81 abholzen lassen. Stark betroffen ist auch der Abschnitt auf Höhe Höpfigheim gewesen (wir berichteten). Während die Bewohner des Steinheimer Teilorts bis zum Herbst 2009 vor lauter Büschen und Bäumen die Autobahn nicht einmal sehen konnten, haben sie seither das zweifelhafte Vergnügen.
Und mehr noch, ist sich der Ortsvorsteher sicher. Nämlich Lärm und Schmutz. Wobei sich in Sachen Lautstärke durch das Fällen der Bäume nicht besonders viel verändert haben soll, auch wenn darüber die Meinungen auseinander gehen. "Dass ein drei Meter breites Band aus Bäume nicht viel Lärm von der Autobahn abhalten, ist ja klar", sagt Heck. "Aber Schmutz und Feinstaub bekommen wir jetzt voll ab." Was durch den Wind, der meist von Westen - also von der Autobahn Richtung Ort weht - verstärkt wird. Roland Heck fordert deshalb einen Immissionsschutz für Höpfigheim. Ob Betonwand oder neue Bäume ist ihm egal: "Das sollen Experten entscheiden, was am besten ist."
Die Experten sind aber - zumindest nach momentanem Stand - noch nicht einmal davon überzeugt, dass Höpfigheim überhaupt ein Problem hat. Nach einem ersten Protest aus Steinheim im vergangenen November, kam im Januar die Antwort aus Stuttgart, in der sinngemäß mitgeteilt wurde, dass es keinen Handlungsbedarf gibt. In einem weiteren Schreiben vom Mai teilt das Landratsamt mit, dass die durchgeführten Maßnahmen "insgesamt gesehen sinnvoll und mit dem Schutzstatus der Böschung vereinbar sind". Erfahrungsgemäß würde sich die Böschung innerhalb kürzester Zeit erholen. Die Rodung hätte der Herstellung der Verkehrssicherheit und der Wiederherstellung des Biotops gedient.
Auf einen Fragenkatalog der Stadt Steinheim, der im Juni an das Landratsamt geschickt worden war, hat es bislang keine Antworten gegeben. Unter anderem erkundigt sich darin der Bürgermeister Thomas Rosner, ob Nach- oder Neupflanzungen innerhalb der Böschung geplant sind. Des weiteren wurde gefragt, ob es stimmt, dass die Verwertung des Schnittguts als Holzhäcksel Bestandteil der Vergütung der ausführenden Firma war. Letzteres wurde im Zusammenhang mit den Rodungsarbeiten schon länger vermutet. In einer Anmerkung erkundigt sich der Bürgermeister außerdem, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, einzugestehen, "dass die Maßnahme aus dem Ruder gelaufen ist. Zumal dies bei inoffiziellen Kontakten regelmäßig zu hören war."
Roland Heck jedenfalls findet, dass die Antworten der Behörden die Intelligenz der Briefschreiber beleidigten. "Eine ökologische Maßnahme ist das nie und nimmer." Dem stimmten auch die anwesenden Stadt- und Ortschaftsräte am Freitagmittag zu. Roland Heck wollte mit seiner Protestaktion einfach "ein bissle Zivilcourage zeigen". Was ihm auf jeden Fall gelungen ist.