ORTSVEREIN STEINHEIM AN DER MURR

Mit dem Fahrrad zu den Schleusen

Presseecho


Hoch zu Rad haben Thomas Reusch-Frey (links) und seine Begleiter die Schleusen besichtigt. Foto: Fenja Sommer

Marbacher Zeitung vom 12.09.2011:

Marbach Bei einer Tour mit Thomas Reusch-Frey sind Probleme und Perspektiven zur Sprache gekommen. Von Fenja Sommer

Unter dem Motto „Mit den Menschen im Gespräch“ lud der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas
Reusch-Frey am Sonntag zu einer Radtour ein. Ziel war es, die Schleusen Marbach, Pleidelsheim, Hessigheim und Besigheim nicht nur mit dem Fahrrad zu erkunden, sondern auch mit eigens dazu eingeladenen Fachleuten über die Zukunft der Anlagen zu sprechen. Dabei stand vor allem die
Diskussion über die Verlängerung der Neckarschleusen im Vordergrund.

„Die Binnenschifffahrt ist wichtig“, sagteWalter Braun, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stuttgart, „ein Binnenschiff fasst die Ladung von 70 Lastwagen oder 50 Güterwaggons.“ Deshalb sei es ein Ziel, die Binnenschifffahrt zu fördern. Auch sprach Braun die Problematiken an, mit denen sie konfrontiert werde. So seien die Schleusen auf dem Neckar nicht lang genug. „Die Marbacher Schleuse ist eine Schleuse mit Reserve auf 105 Meter. Diese Schifffahrtsgröße gibt es nur auf dem Neckar.“ Viele Schiffe der deutschlandweiten Binnenschifffahrt seien mittlerweile aber 135 Meter lang, weshalb die Schleusen über 150 Meter Länge verfügen müssten. Auch wies Braun auf die Probleme hin, die mit den dringend vorzunehmenden Reparaturen eingetreten sind. Die vier erkundeten Schleusen wurden vor mehr als 50 Jahren gebaut. „Darin zeigte sich auch die schwäbi-
sche Kunst, aus Fehlern zu lernen“, meinte Braun. Jede Schleuse wurde ein wenig anders konzipiert als ihr Vorgänger. „Davor habe ich meine Hochachtung“, betonte er, „aber die Ersatzteilhaltung ist eine Katastrophe.“ Das zeige sich beispielsweise am genieteten Marbacher Schleusentor. „Es gibt kaum noch jemanden, der es reparieren kann.“ Als die Schleusentore gebaut wurden, habe man noch nicht gewusst, dass Stahl mit der Zeit undicht wird. Das Alter der Schleusen mache sich in Form von Ermüdungsrissen bemerkbar.

Am Beispiel der Marbacher Schleuse ging der Landschaftsarchitekt Peter Geitz auch auf das Spannungsfeld zwischen Natur und Technik ein. „Naturnahe Bauweisen müssen dieselben Eigenschaften haben wie technische“, erklärte er. „Mit Wurzeln und Trieben erhält man genauso viel Stabilität wie mit technischen Hilfsmitteln.'' Technische Anforderungen müssten auch bei naturnaher Bauweise erfüllt werden. „Es gibt viele dynamische und flexible Faktoren, die man beachten muss.“

Dass am Neckar „alles ein bisschen besonders“ ist, meinte Walter Braun, als das Wehr in Beihingen erreicht wurde. Angesprochen wurde an dieser Stelle der Plan, das Wehr in ein sogenanntes Schlauchwehr zu verwandeln. Insbesondere bei Hochwasser sei dies von erheblichem Vorteil. „Auf
zwei Schienen wird ein Stück Gummi befestigt. Der Schlauch füllt sich mit Wasser, und bei Hochwasser sinkt er ab“, erläuterte Braun die Funktionsweise. „Außerdem kann sich kein Baumstamm mehr darunter einklemmen.“ Kritisch hinterfragt wurde dies von einemTeilnehmer, der die Lebensdauer eines Schlauches infrage stellte. „Die liegt bei ungefähr 20 Jahren“, erklärte
Braun. „Und dieMöglichkeit des Auswechselns ist leicht.“

Fragen zur Praxis der Schifffahrt beantwortete an diesem Tag Tobias Haiber von der Reederei Schwaben. „Ich möchte das Thema auch ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen und verdeutlichen, was gemacht werden muss.“