
„Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart.“
(Richard v. Weizäcker, Rede zum 40. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges am 8.5.1985)
Im September war der SPD-Ortsverein wieder unterwegs, diesmal im Haus der Geschichte in Stuttgart zu einer Führung mit dem Thema „Demokratie gestern und heute“. Eine sehr engagierte Mitarbeiterin des Museums nahm uns mit auf eine spannende Reise von dem frühen Ringen um Demokratie in den Revolutionsjahren 1848/49 bis heute. Selbst als der erste Versuch des Volkes, politisch gehört zu werden, in den Revolutionsjahren vorerst scheiterte, blieben die Träume von Demokratie und Freiheit in den Köpfen der Menschen lebendig. Nach dem Kaiserreich, demokratisch eher eine „Scheinveranstaltung“, erkämpften sich die Menschen die erste echte Demokratie auf deutschen Boden - zum ersten Mal auch für Frauen. Die Republik von Weimar, durchaus mit Euphorie und Potenzial gestartet, fiel neben einigen Altlasten und Fehlentscheidungen vor allem einer rechtsextremen Partei zum Opfer, die jedem alles versprach, was er hören wollte, sich nach dem gescheiterten Putsch darauf verlegte, bei den Menschen in Not mit simplen Antworten auf komplexe Probleme zu werben, hinter denen deutlich sichtbar Hass, Rassismus, Antisemitismus, ideologische Kriegstreiberei und der Wille sichtbar war, Menschen, denen man ihre Würde und ihren Wert als Person absprach, zu ermorden. Sie kam scheinbar legal an die Macht, um in Rekordzeit alle Legitimität zu zerstören.
Welche Gestaltungsmöglichkeiten eine liberale Demokratie für die Gesellschaft und für jeden einzelnen bringt, wurde besonders augenfällig in dem relativ neu gestalteten letzten Raum unserer Führung, in dem viele mehr oder weniger bekannte Bürgerinnen und Bürger vorgestellt wurden, die mit ihrem Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten, für Klima- und Umweltschutz, für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen und für Zivilcourage im Alltag unser Ländle und auch das ganze Land zu einem lebenswerteren Ort für alle gemacht haben.
Wir blicken heute auf diesen 200-jährigen Kampf für Demokratie zurück, bei dem unzählige Menschen ihre Freiheit, ihre Heimat und ihr Leben verloren. Würdigen wir das, was diese mutigen Badener und Württemberger für uns errungen haben, indem wir Verantwortung übernehmen, uns konkret vor Ort einsetzen und engagiert diese Art zu leben verteidigen.
Claudia Busch-Laukenmann

