ORTSVEREIN STEINHEIM AN DER MURR

Volkstrauertag in Steinheim

Ortsverein

Es ist fast wie jedes Jahr im November zum Volkstrauertag. Die Genossen aus dem SPD-Ortsverein treffen sich beim Grab des Soldaten Kreetz und legen ein Gesteck nieder. Sie wollen das Gedenken erhalten. Heute sind aber auch drei ganz junge Leute dabei, die wissen wollen, was da in Steinheim kurz vor Kriegsende passiert war.

Viele Jahre sind vergangen, seit diesem denkwürdigen Tag im April 1945, als der junge Soldat Kreetz seine Truppe verließ. Er wusste, dass der Krieg verloren und sein Kampf aussichtslos geworden war. Er wollte sich zu seinen 4 Kindern nach Berlin durchschlagen, weil er erfahren hatte, dass seine Frau bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen war. Er kam bis nach Steinheim. Dort wurde er als Deserteur verurteilt und im Steinbruch hingerichtet von einem Erschießungskommando, das sich sicher war, geltendes Recht zu vollziehen.

2010 verfasste Genosse Friedmar Sonntag eine denkwürdige Rede. Zitat: „'Was damals Recht war kann heute nicht Unrecht sein' waren die Worte eines Ministerpräsidenten, der in der Vergangenheit als Marinerichter selbst Todesurteile verhängte“.

In all den vergangen Jahren pflegten wir das Gedenken und seit einigen Jahren auch das Grab in Kleinbottwar aus einem Gedanken der Pflichterfüllung heraus. Diese Geschichte war schrecklich, aber lange her und es war kaum vorstellbar, wie solch ein Denken in die Köpfe der Menschen gefunden hatte. Wir waren uns sicher, dass wir über diese Zeit längst hinweg waren, dass solch ein kollektives Dulden von Gewalt, ein Verteidigen von Unecht, weil es Gesetz ist, in Deutschland nie wieder vorkommen könne. Wer kann sich schon vorstellen, dass in seiner nächsten Umgebung Menschen wohnen, die Gewalt tolerieren bis hin zur Vollstreckung von Todesurteilen oder gar zur Vernichtung des jüdischen Volkes.

Heute sehen wir in der Türkei, wie schnell sich ein Regime der Unfreiheit entwickeln kann. In unserem Land stehen wir fassungslos vor gewalttätigen Übergriffen gegen Fremde. Wir müssen erkennen, dass jeder 4. oder 5. Einwohner der Bundesrepublik eine Partei gewählt hat, die rechtsnationales Gedankengut duldet und somit wieder salonfähig macht.

Weitere Informationen über Erwin Kreetz finden Sie unter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Kreetz

Annette Grimm
Schriftführerin