ORTSVEREIN STEINHEIM AN DER MURR

Zum Gedenken an den Deserteur Erwin Kreetz

Ortsverein

Der SPD-Ortsverein Steinheim hält seit vielen Jahren die Erinnerung an den 26-jährigen Soldaten Erwin Kreetz wach, der am 17. April 1945 von einem Exekutionskommando der deutschen Wehrmacht im Steinbruch zwischen Steinheim und Kleinbottwar erschossen und sofort an Ort und Stelle wie ein Hund verscharrt worden war. Mutigen Kleinbottwarer Bürgern ist es zu verdanken, dass er wenigstens eine Grabstätte auf dem Friedhof in Kleinbottwar erhalten hat. Das Grab wird seit einigen Jahren vom SPD-Ortsverein gepflegt. An dieser Stelle herzlichen Dank an Monika Schneider.

Auch an diesem Volkstrauertag 2016 hat der Vorstand des Ortsvereins ein Blumenbouquet niedergelegt. Jeder Gedenktag in den vergangen Jahren ließ die Frage aufkommen, was diese Menschen seinerzeit angetrieben hat, dass sie den  Soldaten so kurz vor Ende des Krieges ohne Erbarmen hingerichtet haben. Diese Geschichte erzählt von einem der vielen grausamen Verbrechen, die im Nazideutschland tagtäglich begangen worden sind. Diese Geschichte zeigt uns aber auch, dass die Schreckensherrschaft Ergebnis einer schleichenden Entwicklung war: Sie hat ähnlich begonnen, wie wir das derzeit in der Türkei erleben: Ein Einzelner wird so gestärkt, dass er alleine regieren kann.  Die Menschen sind froh, dass nun ein starker Mann das Nationale stärkt und dass er das lang ersehnte Heil bringt. Mit der Alleinherrschaft einhergehende Grausamkeiten werden toleriert, dann ignoriert. Die Pressefreiheit wird ausgehebelt, die Justiz entmachtet. Irgendwann schaut man nur noch weg und hofft, dass es einen selbst nicht erwischt. Und es gibt immer Menschen, die Handlanger eines solchen Unrechtstaates sind, selbst dann, wenn er bereits zerbricht.

Unter diesem Blickwinkel erscheint ein Geschehnis, wie die Hinrichtung von Erwin Kreetz nicht mehr ganz so abstrakt.

Annette Grimm, Schriftführerin